In den Tiefen der Ewigkeit

Isa Day
In den Tiefen der Ewigkeit (Der Weg des Heilers 2)

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Die Suche nach dem Drachen

Klappentext:
Jahrelang strich die Magie der Geister durch die weiten Wälder Erriadas und liess die Herzen der jungen Menschen vor Furcht erstarren – bis Joshi die Wahrheit erkannte.
Die Kinder der Arrya haben sich in ihren Feinden getäuscht und bitter für diesen Irrtum bezahlt. Joshi und sein Bruder Marcin brechen auf zur Burg der Geister, um das Schicksal ihres Volkes in die Hände der fremdartigen Wesen zu legen und vielleicht ihre Heimat vor dem Untergang zu bewahren. Dabei ist beiden klar, dass sie eher den Tod als Vergebung finden werden.
Für den siebzehnjährigen Joshi ist es eine Entscheidung zwischen früher und später. Die schwere Krankheit, gegen die er schon so lange kämpft, hat gesiegt und wie seiner Heimat bleibt ihm nur wenig Zeit. Doch das dem Untergang geweihte Land verbirgt noch viele Geheimnisse und auch Joshis Schicksal ist längst nicht so klar, wie es zunächst scheint.
Selbst als schon der Feuerregen die einst prachtvollen Wälder brennen lässt, verfolgt er weiter sein Ziel, die Heimat zu retten – wenn es sein muss bis in die Tiefen der Ewigkeit, wo die Schöpfer Erriadas noch immer schlafen sollen. Hoffnung gibt ihm, dass der Feind seine böse Macht nun auf ihn konzentriert, nachdem sein Einfluss über die meisten anderen Jugendlichen gebrochen ist. Und selbst todkrank ist Joshi durch seine einzigartige Magie alles andere als hilflos.
Doch vielleicht ist genau diese Magie der Grund für den furchtbaren Konflikt, der in einer fernen Vergangenheit weit ausserhalb Erriadas begann und Joshis Lebensweg mit der Zukunft des gesamten Weltengefüges verknüpft.

Rezension:
Nach den Vorkommnissen im vorhergehenden Band „Der verletzte Himmel“ brechen Joshi und Marcin auf, um mit den ‚Geistern‘, einem Volk mit auffällig heller Haut, zu verhandeln. Doch die sind über den Besuch zunächst nicht besonders erfreut – was nicht verwundert, geben sich beide Seiten doch gegenseitig die Schuld an den Zwischenfällen. Als der Riss im Himmel jedoch immer größer wird und die vollständige Zerstörung der Welt droht, sehen alle ein, dass sie die verschwindend kleine Chance auf eine Rettung nur gemeinsam ergreifen können. Doch dazu müssen sie den uralten Drachen, der Legenden zufolge tief unter dem Gebirge schläft, wecken. Aber wie wird der auf die Störung reagieren – falls er überhaupt wirklich existiert.
Mit der Handlung dieses 2. Bandes ihrer „Der Weg des Heilers“-Reihe schließt die Autorin Isa Day nahtlos an den Vorgänger an, weshalb es durchaus zu empfehlen ist, beide Bücher am Stück zu lesen. Nahezu alles in der Rezension des Vorgängers gesagte trifft auch hier zu. Die wirklich außergewöhnliche Welt dieser Buchreihe wird noch weiter ausgebaut und dabei um einige Details erweitert. Der Sprachstil kann überzeugen, wobei auch bei diesem Band wieder darauf hingewiesen werden muss, dass er in der Schweiz verlegt wurde und deshalb durchgängig „ss“ statt „ß“ verwendet. Leider erfolgte auch hier wieder kein besonders gründliches Lektorat, weshalb sich noch einige Flüchtigkeitsfehler im Text finden, die den Lesefluss jedoch nicht nennenswert stören.
Wie schon bei Band 1 gibt es auf der Homepage der Autorin ein download- und ausdruckbaren Personen- und Stichwortregister. Auch ein „geheimer Epilog“ ist dort zu finden.
Im Gegensatz zum offenen Ende des vorherigen Bandes, das direkt in diesen überleitete, ist die Handlung von „In den Tiefen der Ewigkeit“ in sich abgeschlossen. Dessen ungeachtet ist ein weiterer Band jedoch bereits angekündigt.

Fazit:
„In den Tiefen der Ewigkeit“ stellt eine würdige Fortsetzung der Reihe dar, die die Handlung zu einem (relativen) Abschluss bringt.

Taschenbuch
eBook

Der verletzte Himmel

Isa Day
Der verletzte Himmel (Der Weg des Heilers 1)

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Hilfe, die Sonne kommt!

Klappentext:
In einem von finsteren Mächten zerrissenen Land muss Joshi den wahren Feind finden, denn nur so kann er sein Volk und seine Heimat vor der Vernichtung bewahren.
Das Volk der Arrya lebte noch nicht lange in den ebenso wilden wie prachtvollen Wäldern Erriadas, als eines Nachts die anderen Bewohner des Landes – die Geister – alle erwachsenen Menschen verschleppten. Zurück liessen sie deren Kinder, auf sich selbst gestellt und dem Tod geweiht.
Seit damals sind sieben Jahre vergangen. Die jungen Arrya haben aufgrund ihrer engen Verbundenheit und der aussergewöhnlichen Fähigkeiten zweier Brüder überlebt: Marcin, mit achtzehn Jahren das älteste der Kinder, trotzt als Anführer selbst der harschesten Kaltzeit das Überleben des jungen Volkes ab. Sein siebzehnjähriger Bruder Joshi – magisch begabt, aber todkrank – bewahrt das verbliebene Wissen und erzieht die Kleinsten.
Unvermittelt flammt der Konflikt, der ihnen die Eltern nahm, wieder auf und finstere Einflüsse stürzen ihre Heimat ins Chaos. Sinjhar, der legitime Königssohn der Arrya, hat die Macht an sich gerissen und ruft zum Krieg gegen die Geister auf. Nur Joshi stellt sich ihm entgegen. Durch seine Magie ist er auf einzigartige Weise mit dem Land verbunden. Getrieben vom Gefühl, dass an den Überlieferungen etwas nicht stimmen kann, sucht er nach den wahren Hintergründen des tödlichen Konflikts und der Quelle des Bösen.
Dafür muss Joshi seinen eigenen Weg gehen – gegen alle Loyalität und Traditionen. Doch wie sehr darf er seiner Intuition vertrauen? Schliesslich fliesst in seinen Adern nicht nur das Blut der Menschen, sondern auch das ihrer Feinde.

Der Verlag über das Buch
Mit ihrer Fantasy-Serie ist der Autorin eine besondere Schöpfung gelungen: Ein Land voller Zauber, in dem ein Volk von Jugendlichen sich tapfer allen Gefahren stellt, mit Bäumen als Behausungen, die mit ihren Bewohnern interagieren, und den zugleich liebenswertesten wie auch nervigsten Haustieren des gesamten Weltengefüges.

Rezension:
Die Arrya leben in einer Welt, in der sie nur zwischen der Hellzeit, wenn die beiden Monde am Himmel stehen, und der Dunkelzeit, wenn diese untergegangen sind, unterscheiden. Und das ist auch gut so, denn jeder Sonnenstrahl ist tödlich für sie und die Tiere und Pflanzen ihrer Welt. Vor Jahren gab es mal einen Riss im Himmel, durch den für wenige Sekunden das Sonnenlicht auf diese Welt fallen konnte. Joshi, der junge Bewahrer des Wissens seines Volkes, wurde damals schwer verletzt und ist seitdem krank. Doch die ‚Geister‘, ein anderes Volk, dessen Angehörige nur wegen ihrer auffallend hellen Haut so genannt werden, versuchen offenbar, dieses Riss im Himmel wieder zu öffnen. Doch leider sind sich die Arrya absolut nicht einig, wie sie darauf reagieren sollen.
Die Autorin Isa Day (vermutlich ein Pseudonym) entführt den Leser in diesem Auftaktband ihrer „Der Weg des Heilers“-Reihe in eine selbst für Fantasy-Verhältnisse außergewöhnliche Welt. Die handelnden Figuren und die Welt werden dabei interessant gezeichnet. Oft stellt sich heraus, dass etwas nicht ganz so ist, wie die Protagonisten – und mit ihnen der Leser – zunächst vermuten. Doch das kommt der Handlung natürlich nur zugute.
Wie jedem deutschen oder österreichischen Leser schon beim ‚Klappentext‘ auffallen dürfte, wird in diesem Buch statt „ß“ konsequent „ss“ benutzt, Der Grund liegt darin, dass dieses Buch in der Schweiz verlegt wurde, wo man diesem Buchstaben bekanntlich die Existenzberechtigung verweigert. Auch wenn das zunächst etwas irritiert, gewöhnt man sich im Verlauf des Textes recht schnell daran. Ein etwas gründlicheres Lektorat hätte dem Buch dagegen nicht geschadet. Hin und wieder fallen Sätze auf, in denen erkennbar ein Wort fehlt. Sprachlich ist „Der verletzte Himmel“ in einem gut und flüssig lesbarem Stil verfasst.
Um dem Leser den Überblick zu erleichtern, findet sich auf der Homepage der Autorin ein download- und ausdruckbaren Personen- und Stichwortregister.
Da dieses Buch als Start einer Reihe erwartungsgemäß ein recht offenes Ende hat, kann man dem potentiellen Leser nur empfehlen, den Folgeband „In den Tiefen der Ewigkeit“ gleich mitzukaufen.

Fazit:
Ein Sprung in eine in mehrfacher Hinsicht bunte Fantasy-Welt, den der Genre-Fan nicht bereuen wird.

Taschenbuch
eBook

Der schwarze Garten

Dorothe Zürcher
Der schwarze Garten

St,rSt,rSt,rSt,rSt,b

Im Schutz des Schlangenrings

Klappentext:
Während des ‚Sechseläuten-Festes‘ wird die WC-Anlage des Zürcher Großmünsters gesprengt und brennt aus. Die Polizei spricht von Vandalismus. Die junge Carina vermutet etwas ganz anderes. Sie fragt sich, ob eine dunkle Macht aus den Erzählungen unserer Vorfahren durch das vergessene Gräberfeld seinen Weg ins Freie fand.
Früher hätte sich Carinas Vater, der Meister über den schwarzen Garten – einem keltischen Kultplatz von Zürich –, dieses Verdachts angenommen. Doch vor einem Jahr wurde ihr Vater unter mysteriösen Umständen ermordet. Carinas Bruder befürchtet, seine Schwester wolle die düsteren Kräfte des Gartens wieder heraufbeschwören und vertreibt sie aus der Stadt.
Eine Irrfahrt zu anderen vergessenen Kultorten und alten Legenden der Schweiz beginnt. Dabei versucht Carina, neue Erkenntnisse zu gewinnen, um die Stadt zu befreien. Vor allem aber muss sie sich gewahr werden, wie groß ihre Schuld am Tod ihres Vaters ist…

Rezension:
Carina, die von ihrer Familie meist Kaia genannt wird, und ihrem Halbbruder widerstrebt es, das schwarzmagische Erbe ihres gestorbenen Vaters anzutreten. Als ihre Heimatstadt Zürich jedoch erst von anscheinendem Vandalismus und später sogar von einem Erdbeben erschüttert wird, ist ihnen klar, dass dunkle Kräfte am Walten sind. Obwohl sich die Geschwister über den richtigen Weg uneins sind, erkennen sie doch, dass nur die Kräfte des Schwarzen Gartens, den sie von ihrem Vater übernommen haben, helfen können, die Stadt zu schützen.
Bei einem in der Schweiz handelnden Buch, in dem auch regional typische Ausdrücke verwendet werden, ist es hilfreich, dass es einen Glossar gibt, in dem einige der benutzten Ausdrücke erklärt werden. Leider gibt es im Text aber auch einige lokale Ausdrücke, die im Glossar fehlen. So dürfte es für die meisten deutschen Leser nicht offensichtlich sein, dass sich Carinas Familienname Degiesser von der Berufsbezeichnung „Gießer“, ergänzt durch den französische Adelsvorsatz „de“ herleitet.
Die Autorin führt ihre Leser in ein Zürich, in dem viele Gestalten aus örtlichen Sagen aktiv sind. Am Anfang fällt es etwas schwer, in die Handlung hineinzufinden. Erst nach und nach werden dem Leser die magischen Zusammenhänge und Carinas Familienverhältnisse klar. Erschwerend kommt hinzu, dass den meisten Lesern außerhalb der Züricher Region die als Grundlage der Handlung dienenden Sagen fremd sein dürften. So fällt es einem bis zum Ende dieser Urban-Fantasy-Geschichte schwer, einzuordnen, um wen (oder was) es sich beim ‚Butler‘ der Familie und den ‚Gärtnern‘ handelt. Trotzdem hinterlässt das Buch am Ende einen durchaus positiven Gesamteindruck, und man fühlt sich gut unterhalten.

Fazit:
Auch ohne Kenntnis der sprachlichen und lokalen Eigenheiten kann man dieses Buch Urban-Fantasy-Fans empfehlen.

Taschenbuch

Lockwood & Co. – The Hollow Boy

Jonathan Stroud
Lockwood & Co. – The Hollow Boy

St,rSt,rSt,rSt,rSt,r

Rückseitentext:
As a massive outbreak of supernatural Visitors baffles Scotland Yard and causes protests throughout London, Lockwood & Co. continue to demonstrate their effectiveness in exterminating spirits. Anthony Lockwood is dashing, George insightful, and Lucy dynamic, while the skull in the jar utters sardonic advice from the sidelines. There is a new spirit of openness in the team now that Lockwood has shared some of his childhood secrets, and Lucy is feeling more and more as if her true home is at Portland Row. It comes as a great shock, then, when Lockwood and George introduce her to an annoyingly perky and hyper-efficient new assistant, Holly Munro.
Meanwhile, there are reports of many new hauntings, including a house where bloody footprints are appearing, and a department store full of strange sounds and shadowy figures. But ghosts seem to be the least of Lockwood & Co.’s concerns when assassins attack during a carnival in the center of the city. Can the team get past their personal issues to save the day on all fronts, or will bad feelings attract yet more trouble?
Danger abounds, tensions escalate, and new loyalties form in this third delightfully terrifying adventure in the critically acclaimed Lockwood & Co. series.

Rezension:
Eigenartige Dinge passieren – und das nicht nur im von Geistern heimgesuchten London. Nein, auch in unserer ganz realen Welt. Band 3 der „Lockwood & Co.“-Reihe, „The Hollow Boy“, war ursprünglich sowohl in der britischen als auch in der US-Ausgabe für den 15.09.2015 angekündigt. Als ich das Buch am 15.09. jedoch bestellen wollte, war der voraussichtliche Liefertermin der britischen Ausgabe bei Amazon plötzlich für Ende Oktober angegeben. Da ich nicht so lange warten wollte, bestellte ich mir die US-Ausgabe. Als ich mich jetzt nach dem Lesen gerade daran machte, diese Rezension zu verfassen, musste ich überrascht feststellen, dass die britische Ausgabe mittlerweile bei Amazon überhaupt nicht mehr gelistet ist. Hm? Was ist denn da los? Haben Lucy und ihre Kollegen bei der Suche nach Besuchern etwa den Verlag verwüstet? Die deutsche Übersetzung „Die Raunende Maske“ ist jedoch weiterhin für den 19.10.2015 angekündigt. (Wie man sieht, habe ich diese Rezension schon vor einiger Zeit verfasst.)
Aber kommen wir zum Buch selbst: Die Lage in England wird immer schlimmer. Im Londoner Stadtteil Chelsea nehmen die übernatürlichen Aktivitäten dermaßen überhand, dass sich die DEPRAC – die zuständige Aufsichtsbehörde – gezwungen sieht, ganze Straßenzüge zu evakuieren. Nach ihren bisherigen Erfolgen sind die Dienste der Agentur Lockwood & Co. so gefragt, dass Lockwood, George und Lucy oft jeder für sich alleine an verschiedenen Fällen parallel arbeiten müssen, um der vielen Aufträge Herr zu werden. So kann es nicht weitergehen! Deshalb stellt Lockwood eine Bürohilfe ein, Holly. Diese ist zwar ein Organisationstalent, Lucy kommt mit ihr allerdings überhaupt nicht gut aus. Das ändert sich auch nicht grundlegend, als Holly Lucy aus einer selbstverschuldeten komplizierten Lage befreit.
Doch schließlich hat George eine Theorie, wo die Ursache des katastrophalen ‚Chelsea-Outbreaks‘ liegen könnte. Um der Spur folgen zu können, müssen sich Lockwood und seine Freunde jedoch auf eine Zusammenarbeit mit ihrem Erzrivalen Kipps einlassen. In einem Kaufhaus, dass angeblich gar nicht von Erscheinungen heimgesucht wird, treffen sie des Nachts gleich auf hunderte. Als dann auch noch ein mächtiger Poltergeist in Erscheinung tritt, befinden sich alle Anwesenden in höchster Lebensgefahr.
Dem namensgebenden ‚hohlen Jungen‘ begegnen wir erst fast am Ende des Abenteuers. Wieso bei diesem Buch der Originaltitel – im Gegensatz zu den Bänden 1 und 2 – nicht ins Deutsche übersetzt, sondern ein abweichender erfunden wurde, erschließt sich mir jedoch nicht.
Wie bereits bei den vorherigen Bänden angemerkt, halte ich die Einstufung als Kinderbuch für fraglich. Jugendbuch fände ich erheblich passenden. Die Tatsache, dass Band 1 2013 für den „Los Angeles Times Book Prize“ in der Kategorie „Young Adult Literature“ nominiert war, zeigt wohl deutlich, dass ich mit dieser Meinung nicht alleine stehe.

Fazit:
Jonathan Stroud schafft es, das Niveau der beiden Vorgänger zu halten. Die „Lockwood & Co.“-Reihe bietet auch weiterhin echtes Suchtpotential. Ich kann diese Reihe allen Fantasy- und Detektiv-Story-Begeisterten nur empfehlen.

gebundenes Buch
Taschenbuch
Hörbuch
gebundenes Buch in der deutschen Übersetzung
eBook in der deutschen Übersetzung
Hörbuch in der deutschen Übersetzung

Rynestig – 1 – Wolfsmohn

Margarethe Alb
Rynestig – 1 – Wolfsmohn

St,rSt,rSt,rSt,rSt,b

Das Coming-Out als Halbelfe

Klappentext:
„Was ich nicht weiß. Macht mich nicht heiß.“ So oder so ähnlich müssen die Autoren von diversen Sagen – oder Märchenbüchern gedacht haben, als sie einfach irgendwelche Halbwahrheiten abdruckten.
Damit wird ab sofort aufgeräumt.
Aber total.
Aus diesem Grund entschloss sich eine der letzten Waldelfen die Erinnerungen an ihr langes Leben aufzuschreiben. Ihr habt bis jetzt geglaubt, weiße Frauen zu beobachten wäre lustig? Wölfe verspeisten nur so zum Spaß Menschen?
Oder Zwerge sind kleine, goldgierige Stinker? Na gut, sind sie. Einige von ihnen jedenfalls.
Als Kräuterfrau und Halbelfe war Margarethe ein turbulentes Leben garantiert. Wer kann denn außer ihr schon von sich behaupten, auf einem Werwolf geritten oder von einer Nymphe aufgeklärt worden zu sein.
Worüber? Ich werde mich hüten, hier und jetzt alles zu verraten. Macht euch ein paar schöne Stunden und lest es doch einfach selbst.

Rezension:
Thüringen im Jahre 1510. Margarethe und ihre Freundinnen erzählen sich gerne gegenseitig Gruselgeschichten. Als eines der Mädchen behauptet, in einer Vollmondnacht eine Weise Frau gesehen zu haben, vereinbaren sie, zum nächsten Vollmond diese Stelle gemeinsam aufzusuchen. Dach es kommt anders. Zu ihrem 16. Geburtstag wird Margarethe von ihrem Vater vor die Wahl gestellt, entweder den reichen, aber schon älteren Großbauern zu heiraten, der um ihre Hand angehalten hat, oder zu ihrer Tante mütterlicherseits, einer Kräuterfrau, in die Ausbildung zu gehen. Das Mädchen sieht in der Alternative, selbst zu einer auf Lebenszeit unverheirateten Kräuterfrau zu werden, das kleinere Übel und begleitet ihre Tante zu deren tief im Wald gelegenen Hütte. Was Margarethe nicht weiß, ist, dass diese Tante eine Halbelfe ist und sie das Elfenerbe über ihre Mutter auch in sich trägt. Und so beginnt das große Abenteuer. Ehe sie es sich versieht, begegnet Margarethe echten Nymphen, Werwölfen, Zwergen und noch einigen anderen Wesen, die sie bisher nur aus den Gruselgeschichten kannte.
Was dem Leser zu Beginn der Geschichte nicht gleich auffällt, ist, dass „Wolfsmohn“ der Start einer Fortsetzungsgeschichte ist. So kommt das Ende dieses Bandes mitten in der – an dieser Stelle gerade spannenden – Handlung ziemlich überraschend.
Leider schafft es die Autorin nicht, während der eigentlichen Handlung den im Klappentext sowie im Vorwort aufgebauten Humor-Pegel aufrecht zu erhalten. Stattdessen dominiert hier das Abenteuer-Element, was nach dem Lesen von Klappentext und Vorwort zwar etwas überrascht, der Geschichte aber nicht schadet. Die Autorin, die die Reihe unter dem Pseudonym ihrer Heldin veröffentlicht, schafft es, eine flüssig und interessant zu lesende Fantasy-Geschichte mit lokalem Bezug zu erzählen, die Lust auf die Fortsetzungen macht.

Fazit:
Ein Fantasy-Abenteuer vor historischer Thüringer-Wald-Kulisse.

Taschenbuch
eBook

Projekt: Babylon

Andreas Wilhelm
Projekt: Babylon

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Wissenschaftler unter Ignoranten

Klappentext:
Wage zu wissen!
Im Languedoc verfällt ein Schäfer plötzlich dem Wahnsinn. Und drei Forscher geraten in Lebensgefahr, als sie der Lösung des Rätsels um eine geheimnisvolle Höhle in Südfrankreich immer näher kommen…
Blitz und Donner über den Bergen des Languedoc reißen einen Schäfer aus dem Schlaf. In einer Felshöhle sucht er Schutz vor dem drohenden Unwetter – doch als er sie wieder verlässt, ist er dem Wahnsinn verfallen. Sofort wird das Gebiet um die Felsen abgesperrt und streng bewacht.
Was hat es mit der geheimnisvollen Höhle auf sich, deren Wände mit rätselhaften Botschaften in allen Sprachen der Welt versehen sind? Und woher rührt das eigenartige Leuchten tief in ihrem Inneren? Im Auftrag der UN machen sich ein englischer Historiker, ein französischer Ingenieur und eine attraktive, aber eigenartig unnahbare deutsche Sprachwissenschaftlerin daran, die mysteriösen Inschriften zu entschlüsseln.
Schon bald heften sich Freimaurer und okkulte esoterische Zirkel an ihre Fersen. Und je näher die drei Forscher der Lösung des Mysteriums kommen, desto bedrohlicher wird ihre Lage. Da wird die junge Deutsche plötzlich von einer skrupellosen Sekte entführt…
Das fulminante Romandebüt eines jungen deutschen Autors: Voller Spannung, Action, Abenteuer und Mystik!

Rezension:
Ein französischer Schäfer stößt auf eine unbekannte, mysteriöse Höhle. Wenige Tage später bekommen ein in Hamburg lebender britischer Professor und ein französischer Ingenieur überraschend Post von der UN. Als sie der Einladung nach Genf folgen, wird ihnen gegen eine fürstliche Bezahlung angeboten, die neuentdeckte Höhle zu erforschen. Die Sache hat nur einen kleinen Haken: Das Projekt ist streng geheim, und sie dürfen ihre Forschungsergebnisse demzufolge nicht veröffentlichen. Nachdem sie den Auftrag angenommen haben, müssen sie jedoch schnell feststellen, dass diverse Geheimgesellschaften überraschen gut informiert sind. Da die Höhle zahlreiche Inschriften in verschiedenen alten Sprachen birgt, wird schließlich noch eine deutsche Sprachwissenschaftlerin hinzugezogen.
Der Autor schafft es, den Leser in ein von Anfang bis Ende spannendes Abenteuer zu entführen, wobei er zahlreiche relativ aktuelle wissenschaftliche und historische Erkenntnisse geschickt in die Handlung einflicht. Leider opfert er die Logik dabei teilweise dem Spannungsaufbau. Da wird unter dem Vorwand, eine lokale Tollwutepidemie zu erforschen, ein ganzer Berg inklusive der umgebenden Wälder einfach eingezäunt und durch schwerbewaffnete ‚Ranger‘ bewacht. Doch von der örtlichen Bevölkerung und Presse wird das anscheinend völlig ignoriert und führt zu keinerlei Verwunderung oder gar Widerstand. Selbst den – offensichtlich nicht eingeweihten – offiziellen französischen Stellen fällt offenbar nichts auf. Auch davor, dass die Tollwut, wenn sie wirklich aufgetreten wäre, den Metallgitterzaun überwinden könnte, scheint niemand Angst zu haben. Während viele der im Zusammenhang mit der Höhle und den Geheimbünden aufgeworfene Fragen zum Ende des Buches aufgeklärt werden, gibt es für diese Logikschwächen leider nicht den Ansatz einer Erklärung. Ansonsten bietet dieses Buch dem fantasyliebenden und wissenschafsbegeisterten Abenteuerfan eine spannende Unterhaltung.
„Projekt: Babylon“ stellt den 1. Band einer Trilogie dar. Da dies jedoch weder im Klappentext noch im Nachwort des Autors erwähnt wird, darf man wohl vermuten, dass die beiden Fortsetzungen ursprünglich nicht vorgesehen waren. Angemerkt sei hier auch noch, dass der Verlag den Klappentext anscheinend von einem Mitarbeiter verfassen lies, der das Buch überhaupt nicht richtig gelesen hatte. Im Laufe der Handlung wird nämlich nicht die Sprachwissenschaftlerin, sondern der Historiker entführt.

Fazit:
Ein spannendes Abenteuer mit Verschwörungselementen und einem sich im Laufe der Handlung steigernden Anteil Fantasy.

Hardcover
Taschenbuch
Hörbuch

Die geheimen Akten des Sir Conan Doyle

Raimon Weber
Die geheimen Akten des Sir Conan Doyle
(Akten 1-10 Die komplette erste und zweite Staffel)

St,rSt,rSt,rSt,rSt,b

Ein Schriftsteller auf Abwegen

Klappentext:
Jeder kennt den ebenso scharfsinnigen wie exzentrischen Sherlock Holmes. Aber nur Wenige wissen, dass sein im Jahre 1859 in Schottland geborener Schöpfer dem Meister-Detektiv in nichts nachstand: Sir Arthur Conan Doyle schrieb nicht nur fesselnde Kriminalromane, er begeisterte sich auch für übersinnliche Phänomene und unternahm zahlreiche Reisen auf den Spuren des okkulten. In den 10 abgeschlossenen Stories Die geheimen Akten des Sir Arthur Conan Doyle wird der weltberühmte Autor und Schöpfer von Sherlock Holmes selbst zum Ermittler. Seine Fälle führen ihn auf lebensgefährliche Expeditionen ins finstere Afrika und zur arktischen Inselgruppe Spitzbergen. Es verschlägt ihn vom Hof des letzten Zaren in die tückische Einsamkeit Sibiriens. In jeder Episode begegnet Doyle einer Welt jenseits unserer Vorstellungskraft, einer Welt zwischen Leben und Tod. Bevölkert von Wesen, die wir selbst in unseren kühnsten Vorstellungen nicht erahnen können.

Rezension:
Nach Beendigung seiner schriftstellerischen Tätigkeit widmet sich Sir Arthur Conan Doyle der Erforschung des Übersinnlichen. Dabei beweist er so manche Gemeinsamkeit mit seinem literarischen Helden Sherlock Holmes, dem er seine Berühmtheit verdankt. Seine Jagt nach okkulten Vorkommnissen führt ihn vom Londoner Eastend, wo er zusammen mit einem afrikanischen Schamanen ein grausiges Wesen verfolgt, über Schottland, wo in einem See eine menschenähnliche Kreatur lebt, und Spitzbergen, wo Mitglieder einer Forschertruppe gleich reihenweise überschnappen, bis ins tiefste Sibirien, wo es die Ursache des Tunguska-Ereignisses zu erforschen gilt. Die einzelnen Kurzgeschichten sind dabei weitgehend in sich abgeschlossen und erscheinen nicht in chronologischer Reihenfolge.
Dass zahlreiche moderne Autoren die Abenteuer Sherlock Holmes’ weiterführen, dürfte Lesern von Detektivgeschichten nicht neu sein. Wenn allerdings ein Autor nicht Holmes sondern dessen Erschaffer in fiktive Abenteuer schickt, ist das schon erheblich ungewöhnlicher. Dass Sir Arthur Conan Doyle in der Realität dem Okkulten recht offen gegenüber stand, ist eine nicht unbekannte Tatsache. Immerhin ist überliefert, dass er an die Existenz von Feen glaubte und den Kontakt mit Verstorbenen während Séancen für möglich hielt. Ihn selbst als Romanhelden auf die aktive Suche nach derartigen Vorkommnissen zu schicken, dürfte allerdings eine wirklich neue Idee sein.
Dem Autoren dieser Geschichten, Raimon Weber, muss man zubilligen, seine ungewöhnliche Idee gekonnt umgesetzt zu haben. Er trifft das Zeitkollorid des beginnenden 20. Jahrhunderts recht gut. Als kleine Einschränkung sei lediglich erwähnt, dass manche der benutzten Begriffe für die Handlungszeit etwas zu modern wirken. (Zum Beispiel dürfte der Begriff „missbraucht“ zu dieser Zeit eher untypisch gewesen sein.)

Fazit:
Für Fans von historischen Urban-Fantasy-Abenteuern mit leichtem Grusel-Touch dürfte sich der Kauf dieses Buches lohnen.

Hardcover
eBook
Hörbuch

Sherlock Holmes und die Dokumente der Miss Adler

John Hall
Sherlock Holmes und die Dokumente der Miss Adler

St,rSt,rSt,rSt,rSt,b

Mission in Böhmen.

Klappentext:
Sherlock Holmes und Doktor Watson auf Mission, den König von Böhmen zu retten.
Wie ein Jahr zuvor müssen Holmes und Watson erneut ein kompromittierendes Foto, das Miss Adler (nun Mrs. Norton) und den König von Böhmen zeigt, wiedererlangen.
Denn das Bild wurde Mrs. Norton von Karl, dem unehelichen Bruder des Königs, und dessen Cousin Gottfried gestohlen, der gleichzeitig der rechtmäßige Thronfolger Böhmens ist.
Das Bild ist das einzige Beweisstück einer einstigen Liebesbeziehung und bedroht nun aufgrund seiner diskreditierenden Wirkung einen wichtigen Friedensvertrag: Dankt der König nicht ab, gelangt das Foto an die Öffentlichkeit, der Friedensvertrag könnte platzen und das Land könnte in einem Bürgerkrieg versinken.
Doch sobald Sherlock und Watson in Böhmen ankommen, werden sie in einen Strudel aus Lügen, Intrigen und Komplikationen hineingezogen und Lösung des Problems scheint weit entfernt. Können die beiden den Fall lösen, ehe die Feinde des Königs mit ihren Machenschaften Erfolg haben?

Rezension:
Diese Geschichte stellt eine Fortsetzung der Original-Holmes-Story um Irene Adler und den König von Böhmen dar. Diesmal nimmt die ehemalige Miss Adler, mittlerweile verheiratete Mrs Norton selbst Kontakt zu Sherlock Holmes auf, da sie – nunmehr glücklich verheiratet – die Sache endgültig zu den Akten legen und ihren ehemaligen Geliebten vor Schaden bewahren möchte. Da sich das Corpus Delicti allerdings schon in falschen Händen und wahrscheinlich sogar schon in Böhmen befindet, bleibt Holmes und seinem treuen Helfer nichts anderes übrig, als sich schnellstens dorthin zu begeben und den König persönlich zu kontaktieren.
Der Autor selbst weist im Vorwort korrekterweise darauf hin, dass Böhmen im fraglichen Zeitraum in Wirklichkeit Bestandteil des Habsburgerreiches war und es somit im Gegensatz zur literarischen Vorlage Arthur Conan Doyles keinen König von Böhmen gab. Trotzdem begeht er in seiner Fortsetzung selbst erhebliche geographische Fehler. Beispielsweise fährt der Zug mit Holmes und Watson bei Sonnenuntergang am Rande des Schwarzwaldes entlang, welche noch am selben Tag ihr Abendessen in Wien einnehmen. Das ist selbst mit dem heutigen ICE nicht zu schaffen, viel weniger mit den Zügen in den 1890ern. Und wieso sollten eilige Reisende auf dem Weg von der Kanalküste nach Böhmen überhaupt einen Umweg über Wien machen?
Dabei trifft John Hall (eventuell ein Pseudonym eines deutschsprachigen Autors, da nirgends ein Übersetzer erwähnt wird) den Stil des Originals recht gut. Holmes und besonders Watson erscheinen stellenweise allerdings etwas out of character. Trotz dieser kleinen Einschränkung liest sich das Buch sehr gut und kann allen Sherlock-Holmes-Fans empfohlen werden. Das Ende des Buches dürfte den Leser jedoch überraschen, zumal es für die Handlung eigentlich unnötig ist.

Fazit:
Statt eines gänzlich neuen Abenteuers die Fortsetzung eines bekannten – Freunden des Original-Holmes kann es recht sein.

eBook

Lockwood & Co. – The Whispering Skull

Jonathan Stroud
Lockwood & Co. – The Whispering Skull

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Rückseitentext:
Ghosts and ghouls beware! Lockwood & Co. is back.
Life isn’t exactly peaceful in the psychic detection agency. Lucy and George are trying to solve the mystery of the talking skull trapped in their ghost-jar, while Lockwood is desperate for an exciting new case.
Things seem to be looking up when the team is called to investigate the grave of a sinister Victorian doctor. As usual, everything goes wrong – a terrible phantom is freed, and a dangerous object is stolen from the coffin. Lockwood & Co. must recover the relic before its power is unleashed, bur it’s a race against time. And if that’s not bad enough, the skull in the ghost-jar is stirring again …
The author of the blockbuster BARTIMAEUS sequence delivers another humorous and chilling instalment in the critically acclaimed LOCKWOOD & CO. series.

Rezension:
Lockwood und sein Team sollen an einer alten Galgenstätte den Geist eines einst Erhängten bannen. Nur übersehen sie dabei, dass Galgen früher gewöhnlich mehrmals benutzt wurden, und so bringt der erwartete Geist gleich noch ein paar Freunde mit – ziemlich viele sogar. Lockwood, Lucy und George bleibt nur ein hastiger Rückzug. Peinlicherweise taucht gerade in diesem Moment ihr Erzrivale Kipps mit seinem Team auf. Und die sind auf eine so große Anzahl Geister vorbereitet … Um seine Ehre zu retten, bietet Lockwood Kipps eine Wette an.
Nach dieser wenig erfolgreichen Nacht sind Lucy und ihre Kollegen froh, als sich gleich ein neuer Auftrag bietet. Eine Spezialfirma für Friedhofs-Beräumungen benötigt ihre Hilfe bei der Beseitigung eines offensichtlich nicht geheuren Grabes. Doch im Sarg befindet sich nicht nur eine mumifizierte Leiche, die Quelle eines ziemlich bösartigen Geistes ist, sondern auch noch ein extrem gefährliches Artefakt. Gerade das wird kurze Zeit später gestohlen, worüber Inspektor Barnes vom DEPRAC (DEpartment of Psychical Research And Control – deutsch: BEBÜP / Behörde zur Erforschung und Bekämpfung Übersinnlicher Phänomene, der Scotland Yard unterstellten Aufsichtsbehörde über die Agenturen) natürlich alles andere als erfreut ist. Um es schnellstmöglich wiederzubeschaffen, beauftragt er nicht nur Lockwood & Co. damit, sondern parallel auch noch Kipps Team. Und dieser Auftrag ist nicht als Bitte formuliert! Somit beginnt ein Wettlauf mit ihren Rivalen, wer es zuerst schafft. Dabei bekommen es die Spezialisten für Geister-Bannungen mit nicht gerade zimperlichen lebenden Gegnern zu tun, wie Lucy und Lockwood bald am eigenen Leib feststellen müssen.
Nach dem Vorgänger „Lockwood & Co. – Die seufzende Wendeltreppe“ stellt dieser Band eine würdige Fortsetzung dar. Die bereits bei dessen Besprechung erwähnten stilistischen Parallelen mit den klassischen Sherlock-Holmes-Erzählungen treten hier bei den Ermittlungen gegen einen Schwarzhändlerring sogar noch stärker in Erscheinung. Und dieser Vergleich sollte definitiv nicht negativ verstanden werden. Trotz aller detektivischer Arbeit kommen die Geister nicht zu kurz. Im Gegenteil: Auch der Gruselfaktor wird gegenüber dem Vorgängerband stellenweise noch erhöht.
Da die Fittes-Agentur in diesem Buch, das 7 Monate nach Band 1 handelt, ihr 50-jähriges Bestehen feiert und in diesem Zusammenhang Marissa Fittes berühmter Fall aus dieser Zeit als im Jahre 1962 stattfindend erwähnt wird, kann man die Handlung diesmal eindeutig im Jahr 2012 einordnen. Aber Vorsicht! Da zur großen Jubiläumsparty, zu der auch Lockwoods Team eingeladen ist, Abendkleidung erwünscht ist, muss sich Lucy Abendkleid und High Heels besorgen, was nicht gerade die geeignete Kleidung ist, wenn man zwischendurch noch ein paar inoffizielle ‚Umwege‘ machen will.
Ein Wort zum oben zitierten Rückseitentext: „Ghosts and ghouls beware!“ Nachdem in Band 1 schon diverse Typen Geister auftauchten, stellt sich hier natürlich sofort die Frage, was im Lockwood-Universum Ghule sind. Um es kurz zu machen: Weder im Text (469 Seiten) noch im auch hier wieder vorhandenen Glossar (15 Seiten) werden Ghule auch nur erwähnt. Vielleicht hätte der für den Rückseitentext zuständige Mitarbeiter des Verlags das Buch vor Verfassen des Textes mal selbst lesen sollen.

Fazit:
Meine positive Einschätzung zu „Lockwood & Co.“ kann ich auch nach dem Lesen dieses Bandes nur uneingeschränkt aufrechterhalten. Besonders erwachsenen Fantasy-Fans empfehle ich, sich von der Kinderbuch-Einordnung der Reihe durch den Verlag nicht abschrecken zu lassen.

gebundenes Buch
Taschenbuch
eBook
gebundenes Buch in der deutschen Übersetzung
Taschenbuch in der deutschen Übersetzung
eBook in der deutschen Übersetzung
Hörbuch in der deutschen Übersetzung

Lockwood & Co. – Die seufzende Wendeltreppe

Jonathan Stroud
Lockwood & Co. – Die seufzende Wendeltreppe

St,rSt,rSt,rSt,rSt,r

Klappentext:
Geister, Ghoule, Grabgeflüster: Die Agenten von LOCKWOOD & CO. sind allem gewachsen
LONDON, ENGLAND: In den Straßen geht des Nachts das Grauen um. Unerklärliche Todesfälle ereignen sich, Menschen verschwinden und um die Ecken wabern Schatten, die sich nur zu oft in tödliche von Geisterwesen ausgesandte Plasmanebel verwandeln. Denn seit Jahrzehnten wird Großbritannien von einer wahren Epidemie an Geistererscheinungen heimgesucht. Überall im Land haben sich Agenturen gebildet, die in den heimgesuchten Häusern Austreibungen vornehmen. Hochgefährliche Unternehmungen bei denen sie, obwohl mit Bannkreisketten, Degen und Leuchtbomben ausgerüstet, nicht selten ihr Leben riskieren.
So auch die drei Agenten von LOCKWOOD & CO. Dem jungen Team um den charismatischen Anthony Lockwood ist allerdings bei einem Einsatz ein fatales Missgeschick passiert. Um die Klage abwenden und den Schadenersatz dafür aufbringen zu können, müssen die drei Agenten von LOCKWOOD & CO. einen hochgefährlichen und zutiefst dubiosen Auftrag annehmen. Dieser führt sie in eines der verrufensten Herrenhäuser des Landes und stellt sie auf eine Probe, bei der es um nichts weniger als Leben oder Tod geht …

Rezension:
Diese Geschichte spielt im London einer Parallelwelt, in der manches etwas anders als in unserer realen ist. Seit etwa 50 Jahren wird England vom massiven Auftreten von Geistern heimgesucht. Auch wenn die meisten Geister nicht aggressiv sind, ist die Berührung mit ihnen meist tödlich. Das Problem ist, dass Erwachsene die Geister nicht sehen oder hören und ihnen deshalb auch nicht ausweichen können. Nur Kinder und Jugendliche haben diese Fähigkeit, die jedoch beim Älterwerden verschwindet, auch diese jedoch in unterschiedlichem Ausmaß. Besonders begabte Kinder und Jugendliche arbeiten deshalb in Agenturen, die im Auftrag der Hauseigentümer die Geister bannen. Internet, Handy oder schnurlose Festnetz-Telefone scheint es in dieser Welt nicht zu geben. Recherchen finden immer auf altmodische Weise in Bibliotheken und Archiven statt. Aus Bemerkungen zu Architektur und Mode kann man jedoch entnehmen, dass die Geschichte trotzdem in unserer Zeit spielt.
Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Lucy erzählt. Als Lucy 8 Jahre alt war, wurde sie von ihrer Mutter zur Lehre in eine dieser Agenturen geschickt. Nach einem Zwischenfall, bei dem mehrere ihrer Mit-Agenten getötet werden, verlässt sie ihre Heimatstadt und geht nach London, wo sie bei Lockwood und Co. anfängt. Ihre Kollegen sind Lockwood selbst, der von allen nur mit seinem Nachnamen angesprochen wird, und George. Wie alt die 3 genau sind, wird im gesamten Buch nicht erwähnt. Da Lucy sich an einer Stelle jedoch an ein Vorkommnis erinnert, bei dem sie 12 war, dieses aber noch in ihrer Heimatstadt stattfand und sie jetzt schon seit etwa 6 Monaten bei Lockwood ist, muss sie mindestens 13 sein. Lockwood selbst schätzt sie bei ihrem Kennenlernen als etwa 1 Jahr älter als sich selbst ein. Auch diese Vermutung wird aber nie ausdrücklich bestätigt.
Der Autor erzählt das Ganze in Form einer klassischen Detektivgeschichte. Stilistisch erinnert mich das Buch stellenweise sehr an die klassischen Sherlock-Holmes-Erzählungen Arthur Conan Doyles. Ein kurzes Zitat ganz vom Anfang des Buches mag das verdeutlichen:
„Zu den ersten Fällen, an denen ich bei Lockwood & Co. mitgearbeitet habe, möchte ich hier nicht viel sagen. Einerseits, weil die Opfer anonym bleiben sollen, andererseits, weil die Einzelheiten allzu grausig sind, aber vor allem, weil wir es tatsächlich fertiggebracht haben, diese Aufträge allesamt gründlich zu vermasseln.“
Jedem, der Doyles Erzählungen kennt, wird eine derartige Einleitung vertraut vorkommen, fangen Dr. Watsons Berichte seiner Abenteuer mit Holmes doch oft ähnlich an. Auch die Gespräche mit neuen Klienten erinnern oft an die bei Sherlock Holmes. Diese stilistischen Anlehnungen halte ich für viel zu auffallend, als dass sie Zufall seien könnten. Sie dürften Strouds voller Absicht entsprungen sein.
Sehr positiv fiel mir beim Lesen auf, dass der Autor nach einer sehr kurzen Einleitung gleich zur Sache, sprich: einer Geisteraustreibung kommt. Erklärungen und Vorgeschichten werden erst später nachgeliefert. Wie viele Bücher kennen wir alle, in denen sich der Leser erst durch eine etwas ermüdende Vorgeschichte ‚kämpfen‘ muss, bevor das eigentlich interessante Abenteuer beginnt?
Auch diese Geisteraustreibung setzen Lockwood und Lucy jedoch an die Wand, indem sie das Haus fast vollständig abfackeln. Vorher können sie allerdings noch feststellen, dass es sich um den Geist einer vor etwa 50 Jahren ermordeten jungen Frau handelt. Und der Mörder ist noch sehr lebendig … Und da unsere Helden zu viel wissen oder zumindest ahnen, ist er bald auch hinter ihnen her. Da Band 2 der „Lockwood & Co.“-Reihe aber schon erschienen und Band 3 bereits angekündigt ist, decke ich wohl kein allzu großen Geheimnis auf, wenn ich verrate, dass Lucy und ihre Kollegen natürlich überleben. Viel spannender sind ohnehin ihre Abenteuer mit den Untoten.
Wohl hauptsächlich wegen des Alters der Hauptfiguren wird das Buch vom Verlag als Kinderbuch vermarktet, was es meiner Meinung nach aber genau so wenig wie beispielsweise „Harry Potter“ ist. Allgemein habe ich den Eindruck, dass Bücher mit jugendlichen Hauptfiguren oft pauschal und ohne genaue Kenntnis des Inhalts als für Leser im Alters der Hauptfiguren zu empfehlen eingestuft werden, was – meiner Meinung nach – jedoch durchaus nicht immer zutrifft.
Die eigentliche Geschichte erstreckt sich über 402 Seiten. Dazu kommt ein 15-seitiger Glossar, in dem das Fachvokabular der Agenten erläutert wird. Denn wer will schon einen Schleicher mit einem Streuner verwechseln?

Fazit:
„Lockwood & Co. – Die seufzende Wendeltreppe“ erhält meine uneingeschränkte Empfehlung. Allen, denen beispielsweise die „Harry Potter“-Reihe gefällt, kann ich nur raten, auch mal einen Blick in „Lockwood & Co.“ zu riskieren. Erstmals seit „Harry Potter“ habe ich hier wieder das Bedürfnis, so schnell wie nur möglich den nächsten Band in die Finger und vor die Augen bekommen zu wollen.

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