Eine Peter-Grant-Story – 6 – Der Galgen von Tyburn

Ben Aaronovitch
Eine Peter-Grant-Story – 6 – Der Galgen von Tyburn

Übersetzung: Christine Blum

St,rSt,rSt,rSt,rSt,r

Die Spur des toten Mädchens

Klappentext:
Wie man einem gesichtslosen Magier zu Leibe rückt, was die Bewohner von Londons teuerster Immobilie so treiben und wie ungünstig es sein kann, wenn man Lady Tyburn einen Gefallen schuldet – diese und noch mehr erfreuliche Erkenntnisse warten bei seinem neuen Fall auf Police Constable Peter Grant. Einen Einblick ins Leben der Reichen und Schönen von London gibt es gratis dazu. Und die öffentliche Sicherheit und Ordnung aufrechterhalten sollte er bei all dem möglichst auch noch.
In seinem sechsten Fall muss der Londoner Police Constable und Zauberlehrling Peter Grant …

  • ein verschollenes Buch finden,
  • einen verdächtigen Todesfall auf einer Party der Reichen und Schönen Londons aufklären,
  • versuchen, es sich dabei nicht völlig mit Lady Tyburn zu verscherzen,
  • vermeiden, vom gesichtslosen Magier ins Jenseits befördert zu werden,
  • sich mit einem ganzen Haufen rauflustiger Amerikaner herumschlagen, die definitiv zu viel ›24‹ gesehen haben.

Und Lesley ist zurück.
Kurz: Peter bekommt die einzigartige Gelegenheit, es sich mit alten Freunden zu verderben und sich dabei jede Menge neuer Feinde zu machen. Immer vorausgesetzt, er überlebt die kommende Woche.

Rezension:
Peter Grant ist wieder da! Doch kaum liegt er mit Beverley im Bett, bekommt er einen Anruf von deren Schwester Ty. Bei einer Drogenparty von Jugendlichen gab es einen Todesfall. Unter den Festgenommenen ist auch Tys Tochter – und Peter soll diese möglichst unauffällig ʼraushauen. Das erweist sich als nahezu unmöglich, denn plötzlich ist Tys Tochter sogar die Hauptverdächtige. Und bei der Obduktion des Opfers finden sich Spuren von Magie! Spätestens das macht die Sache auch in rein dienstlicher Hinsicht für Peter und seinen Chef Nightingale interessant. Auch der Gesichtslose scheint in den Zwischenfall verwickelt zu sein, und der hat eine neue Assistentin. Dass auch noch schießwütige amerikanische Magie-Ermittler auftauchen, verkompliziert die Ermittlungen noch weiter. Lady Ty ist höchst sauer auf Peter.
Zum Stil von Ben Aaronovitchs „Peter Grant“-Reihe muss man wohl nicht mehr viel sagen. Allen Fans der Reihe ist es ohnehin bekannt – und Neueinsteiger sollten diese lieber von Anfang an lesen, statt mit diesem Band einzusteigen. Auch diesmal gibt es natürlich wieder zahlreiche Reminiszenzen auf Popkultur, Architektur und Polizeiarbeit. Dass Peter allen Widrigkeiten zum Trotz auch dieses Abenteuer überlebt, muss wohl nicht extra erwähnt werden. Schließlich wird er ja noch gebraucht. Diese herrlich schräge Fantasy-Krimi-Reihe macht auch im mittlerweile 6. Band Spaß. Und vielleicht gelingt es Peter ja sogar, endlich die Identität des gesichtslosen Magiers zu lüften. Und den Fall ins Trockene zu bringen, ohne von Ty ersäuft zu werden.
Die einzigen nicht ganz so positiven Punkte, die hier erwähnt werden müssen, betreffen die deutsche Übersetzung. Im Original heißt dieser Band „The Hanging Tree“. Das lässt sich natürlich nicht wörtlich übersetzen. Die sinngemäße Übersetzung wäre wohl „Der Galgenbaum“. Beim titelgebenden „Hanging Tree“ handelt es sich allerdings um einen Pub, der in der Geschichte eine Rolle spielt. Und der befindet sich weder im ehemaligen Dorf Tyburn, noch gehört er Lady Tyburn oder liegt am gleichnamigen Fluss. Da ist der deutsche Titel wohl nicht ganz glücklich gewählt. Und dann die lieben Hausnummern … Im ganzen Buch wird immer wieder die Adresse des Tatortes mit „Hyde Park Nummer Eins“ genannt, was im Original sicher „Number One, Hyde Park“ hieß. Sorry, aber in meinen Augen ist diese Anpassung an hiesige Gepflogenheiten eine üble Eindeutschung und fällt nicht unter den Begriff Übersetzung. Eine Hausnummer in Großbritannien gehört auch in deutscher Sprache vor den Straßennamen.

Fazit:
Eine neuer Peter Grant, wie jeder Leser und Fan es sich wünscht: humorvoll, spannend und einfach magisch.

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Fantasy-Lesebuch 4

Ingrid Pointecker (Hrsg.)
Fantasy-Lesebuch 4

St,rSt,rSt,rSt,rSt,b

Gute Stories – wenig Fantasy

Klappentext:
Was passiert, wenn sich eine Spinne für Mythologie interessiert?
Wie sicher kann man sich auf einem vermeintlich unbewohnten Planeten fühlen?
Wo verläuft die Grenze zwischen Vorsicht und Moral bei der Eindämmung eines Virus?
Warum beginnen manche Kämpfe erst nach dem Ende einer großen Schlacht?
Wie können 13 Briefe mehr als nur ein Leben verändern?
Die Antworten auf diese Fragen finden sich in dieser Anthologie. Klassische Fantasy, Science-Fiction, Dystopisches und Gänsehautmomente laden zum Schnuppern in unterschiedliche Subgenres ein – zum Lesen, Vorlesen und Nacherzählen. Fünf AutorInnen, fünf Geschichten und eine gewagte Mischung, die viel zu schade für die Schublade wäre.

Rezension:
Enthaltene Geschichten:
Im Netz – Andrea Bannert
Die singenden Bäume – Corinna Schattauer
Typ B – Mia Neubert
Die letzte Aufgabe – Jacqueline Mayerhofer
Die 13 Briefe des Paulus Marinus – Fabian Dombrowski
Eine Spinne als Heldin, Gestrandete Raumfahrer, ein grassierender Zombie-Virus, ein Machtkampf zwischen Brüdern und Geisterforschung – so bunt ist die Mischung der mittlerweile 4. Ausgabe des Fantasy-Lesebuchs. Gemeinsam ist allen 5 Kurzgeschichten, dass sie stilistisch als durchaus gelungen eingeschätzt werden müssen. Doch damit enden die Gemeinsamkeiten auch schon.
Während „Im Netz“, eine Geschichte aus der Perspektive einer intelligenten Spinne, und „Die 13 Briefe des Paulus Marinus“, wo die Ergebnisse ‚übernatürlicher Forschung‘ ausschließlich anhand von Briefen rekonstruiert werden, als Fantasy im eigentlichen Sinn aufgefasst werden können, trifft das auf die restlichen Geschichten weniger bis gar nicht zu. Bei „Die singenden Bäume“, einer SciFi-Geschichte um auf einem fremden Planeten gestrandete Raumfahrer, kann man die Entdeckung der Protagonisten eventuell noch als Fantasy einstufen, bei „Typ B“, einer Apokalypse nach Ausbruch eines Zombie-Viruses, tue ich mich allerdings schwer, dies noch als Fantasy zu betrachten. Spätestens bei „Die letzte Aufgabe“, einem historischem Abenteuer um verfeindete Brüder, ist jedoch keine Spur des Fantasy-Genres mehr zu entdecken. Im Gegensatz zu den anderen Beiträgen, die man zumindest noch unter Phantastik verbuchen kann, trifft selbst dies hier nicht zu. Auch wenn im Klappentext von „klassische Fantasy, Science-Fiction, Dystopisches und Gänsehautmomente“ gesprochen wird, passt diese Mischung nicht wirklich zum Titel „Fantasy-Lesebuch“.
Um nicht missverstanden zu werden: Die einzelnen Kurzgeschichten sind für sich genommen ausnahmslos gelungen und gut zu lesen. Meine Kritik bezieht sich ausschließlich auf die durch den Titel suggerierte Genre-Zuordnung. Unter einem solchen Titel sollten Herausgeberin und Verlag bei einer eventuellen nächsten Ausgabe doch etwas mehr auf zum Genre passende Beiträge achten.

Fazit:
Eine Anthologie mit gelungenen Beiträgen – doch Fantasy sind diese leider nur zum (kleinen) Teil.

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Die Chroniken von Pathaar – 1 – Welt aus Sand

Martin P. Anderfeldt
Die Chroniken von Pathaar – 1 – Welt aus Sand

St,rSt,rSt,rSt,rSt,r

Ynsekti-Probleme

Klappentext:
In einer Welt, die von riesigen, insektenähnlichen Wesen beherrscht wird, wächst Mira in relativer Sicherheit auf. Als Kronprinzessin von Bedivere, eines mächtigen Stadtstaats in der großen Ebene, lebt sie privilegiert, wenn auch in einem „goldenen Käfig“. Ihr sorgenfreies Leben findet ein jähes Ende, als ihre einzige Freundin durch eine Intrige unter Verdacht gerät und ihr die Todesstrafe droht. Wenn Mira sie retten will, muss sie selbst aktiv werden. Auf dem Spiel steht nicht nur das Schicksal der Prinzessin, sondern das der ganzen Menschheit.

Rezension:
Bedivere ist die einzige erhalten gebliebene Stadt weit und breit. Um sie herum gibt es nur Wüste, kleine, von ihr abhängige Dörfer und Nomaden. So sieht sich die Stadt als letzte Bastion der Kultur, doch die Herrschenden wissen längst, dass die Macht Bediveres am Sinken ist. Kronprinzessin Mira ahnt davon nichts – bis sie unvermittelt in die Machtspiele hineingerät.
Und dann gibt es noch Jupiter, die Stadt auf Rädern, die durch die Wüste fährt. Kato lebt dort als Mechanikus in Ausbildung, ein in dieser hoch technisierten Stadt, deren Bewohner Bedivere und erst recht die kleinen Dörfer für extrem rückständig halten, angesehener Beruf. Doch eines Tages nimmt seine Karriere eine unerwartete Wendung.
Martin P. Anderfeldts Fantasy-Roman über die beiden so verschiedenen Städte und 2 Jugendliche, deren Leben plötzlich auf den Kopf gestellt wird, bietet zahlreiche unerwartete Wendungen. Während Mira nicht einmal weiß, was in der Stadt außerhalb des Palastes vorgeht, hat Kato zu Beginn recht einseitige Ansichten. Schon bald müssen jedoch beide ihr bisheriges Leben hinter sich lassen und stecken voneinander unabhängig in Abenteuern, die sie sich nie erträumt hätten. Die Ynsekti, riesenhafte Insekten verschiedener Art, sind dabei bei weitem nicht die einzige Gefahr.
Mit „Welt aus Sand“ legt der Autor ein genremäßig nicht ganz einfach einzuordnendes Werk vor. Auch wenn man es zunächst der Fantasy zuordnen möchte, stellt sich dann heraus, dass es auch dystropische Züge enthält. Ist die Welt, in der Kato und Mira leben, vielleicht unsere nach dem Untergang unserer Kultur? Eine eindeutige Antwort darauf gibt es (zumindest in diesem Band) nicht. Außerdem finden sich auch Steampunk-Elemente wie die wandernde Stadt Jupiter oder die Mima-Krieger und eine Prise SciFi. Wohin sich der Schwerpunkt in den folgenden Bänden verlagert, kann nur vermutet werden, denn dieser Band ist nicht in sich abgeschlossen, sondern endet mit einem Cliffhanger. Wie sich die Ereignisse für die verfeindeten Städte und ihre Bewohner weiterentwickeln, muss sich (hoffentlich bald) zeigen.
Mit der „Die Chroniken von Pathaar“-Reihe gelingt es Martin P. Anderfeldt, die Grundlage für ein gelungenes Jugendabenteuer zu legen, das sich als echter Pageturner erweist. Zu spannend sich Miras und Katos Abenteuer. Da will der Leser ständig wissen, wie es weitergeht. Durch die wechselnde Erzählperspektive wird die Geduld dabei manchmal auf eine recht harte Probe gestellt.
„Welt aus Sand“ erweist sich als ein auch sprachlich und stilistisch gelungenes Buch.

Fazit:
Ein gelungenes Fantasy-Jugendabenteuer mit Elementen diverser anderer Genres, das für thematisch Interessierte eine Leseempfehlung verdient.

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Das Alte Buch der Zauberer

Mario Röse
Das Alte Buch der Zauberer

St,rSt,rSt,rSt,bSt,b

Flucht durchs Mittelalter

Klappentext:
Drei Teenager entdecken bei einem Ausflug in eine Burg in den Kellergewölben eine merkwürdige Steinplatte und ein Amulett. Ungewollt lösen sie einen Zauber aus und geraten so in das Mittelalter. Das bleibt vom finsteren Burgherrn Blackmore nicht unbemerkt. Der will sich schon seit vielen Jahren diesen Zauber zu Nutze machen und sieht in den Kindern seine Chance das Geheimnis zu lüften um England zu beherrschen.
Eine gefährliche Flucht beginnt. Aber Anny, Jack und Tom finden mutige und auch phantastische Freunde und stellen sich dem Kampf.

Rezension:
Eric, Tom und Anny treffen sich im Sommercamp, bei dem sie sich bereits im Vorjahr kennenlernten. Mittlerweile sind sie alle 13 und freuen sich auf die gemeinsamen Ferienwochen. An einem Tag findet eine Rätselwanderung statt, bei der die einzelnen Teams anhand verschiedener Hinweise das Ziel finden müssen, welches sich als Burgruine herausstellt. Als die Freunde zusammen die Ruine durchstreifen, finden sie in einem Kellerraum eine verschüttete Steinplatte und ein Amulett. Plötzlich verändert ich der Raum um sie herum, und sie stellen bald fest, dass sie im Mittelalter gelandet sind – einem Mittelalter, in dem außer Zauberern auch diverse unheimliche Tierwesen leben. Auf der Flucht vor dem äußerst unfreundlichem Burgherren verstecken die Freunde das Amulett. Doch wie sollen sie jetzt wieder an das Amulett und mit diesem zur Steinplatte zurückkommen, um in ihre eigene Zeit heimzukehren?
Mario Röses Jugend-Zeitreise-Fantasy gelingt es, einem gängigen Thema interessante neue Aspekte abzugewinnen. Die 3 Protagonisten haben jeweils einen individuellen, glaubhaften Charakter. Lediglich einige der im Mittelalter verwurzelten Charaktere wirken etwas (zu) naiv. Die Handlung nimmt den Leser schnell gefangen und bietet auch für die am Ende angedeutete Fortsetzung noch genügend Potential. So macht das Lesen Spaß.
Nach all diesem Lob für die Story an sich muss die handwerkliche Umsetzung jedoch erheblich kritisiert werden. Leider springt der Autor sinnlos zwischen den Zeitformen hin und her. Während das Abenteuer eigentlich im Präteritum erzählt wird, erscheinen Teilsätze, ganze Sätze und manchmal sogar ganze Absätze ohne inhaltliche Begründung plötzlich im Präsens. Hinzukommen zahlreiche Satzfehler. Beispielsweise wird der Apostroph (’) im ganzen Buch als Komma (,) dargestellt. Außerdem gibt es leider keine Kapiteleinteilung. All dies trübt den Gesamteindruck leider erheblich. Auch die Tatsache, dass Eric im ‚Klappentext‘ überraschenderweise Jack heißt, zeugt von mangelnder Sorgfalt. Dem Buch wäre in dieser Hinsicht eine gründliche Überarbeitung zu wünschen.

Fazit:
Ein interessantes phantastisches Zeitreise-Abenteuer mit jungen Helden, bei dessen Umsetzung leider handwerklich geschlampt wurde.

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Bill Cnox – 10 – Das Geheimnis der Skelettinsel

Bill Cnox
Bill Cnox – 10 – Das Geheimnis der Skelettinsel

St,rSt,rSt,rSt,rSt,b

Der Schmuck im Sarg

Klappentext:
Bei „Bill Cnox“ handelt es sich um eine weitere Serie aus den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts, die einen utopisch-phantastischen Hintergrund aufweist. 1922-1923 erschienen hier 28 Hefte um den – genveränderten(!) – Gummimenschen Bill Cnox, zumeist mit einer kriminalistischen Handlung.
Die Romanhefte aus der Reihe „Bill Cnox“ erscheinen jetzt in einer leicht bearbeiteten (eher: restaurierten) Neuausgabe. Vor allem wurden Rechtschreib-, Interpunktions und Grammatikfehler der Originalausgabe korrigiert sowie Ausdrücke, die heutzutage mißverständlich erscheinen, geändert.
Zudem wurden die Romane in eine gemäßigte Version der Rechtschreibungsreform von 2006 umgesetzt. Für den Leser, der das altertümliche Flair weitergehend erleben möchte, ist eine zweite Fassung in alter Rechtschreibung (bis 2000) ebenfalls im eBook enthalten.
Leider liegen derzeit nicht alle Hefte dieser Serie vor (die Hefte 2-9 und 11-14 sind verschollen/nicht vorhanden). Trotzdem haben wir uns dazu entschlossen, dem Leser diese (sehr kurzen) Romane nicht vorzuenthalten.

Rezension:
Der Milliardär Donald Rotschild gibt öffentlich bekannt, dass sein gesamter Schmuck nach seinem Tod mit ihm zusammen beerdigt werden soll. Da er der Presse auch verrät, wo er beerdigt werden möchte, befürchtet Bill Cnox schon beim Lesen der Meldung, dass Rotschilds Grab zu einer Pilgerstätte für ‚Schatzsucher‘ werden wird. Wie es der Zufall will, stirbt der Milliardär schon wenige Tage später an einem Herzschlag. Sein Privatsekretär findet jedoch, dass es besser wäre, den wertvollen Schmuck vorm Vergraben ‚zu retten‘ und ihn lieber in seinen Besitz zu bringen. Doch auf ihn wartet eine Überraschung. Der Schmuck findet doch seinen Weg in den Sarg – was schnell weitere ‚Interessenten‘ anlockt. Wird Bill Cnox den Sarg sicher zu seinem Ziel geleiten können?
Wenn man bedenkt, dass diese Kurzgeschichte annähernd 100 Jahre alt ist, wirkt sie überraschend modern. Etwas überraschend wirkt aus heutiger Sicht lediglich, dass der Autor den Namen seines Protagonisten als Pseudonym benutzt, obwohl die Geschichte nicht einmal in der Ich-Form verfasst ist. Auf die genveränderte Hauptfigur wird in diesem kurzen Werk, das nach heutigen Standards selbst für ein ‚Groschenheft‘ zu kurz wäre, nicht näher eingegangen. Dies wird anscheinend als aus den vorherigen Bänden bekannt vorausgesetzt. (War der Begriff „genverändert“ damals überhaupt schon üblich beziehungsweise bekannt?) In der Handlung dieser Geschichte spielen die besonderen Eigenschaften des Helden allerdings keine Rolle, da es sich um eine reine Detektivgeschichte handelt. Wie weit die im Klappentext erwähnten Modernisierungen reichen, kann man ohne Kenntnis des Originals natürlich nicht einschätzen. Wenn man den Geldwert der damaligen Zeit in Betracht zieht, könnte Rotschild im Original eventuell ein Millionär statt Milliardär gewesen sein. Aber das ist natürlich nur eine Vermutung.
Besonderen ‚Tiefgang‘ wird bei diesem Genre wohl niemand erwarten, doch ist das Abenteuer überraschend unterhaltsam zu lesen. Für die Pause zwischendurch ist es – schon alleine aus literaturhistorischem Interesse – durchaus zu empfehlen.

Fazit:
Ein Blick in die Anfänge der sogenannten Trivialliteratur, der Spaß macht.

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Hexenfeuer – Lodernder Hass

Marcel Weyers
Hexenfeuer – Lodernder Hass

St,rSt,rSt,rSt,bSt,b

Die Anfänge der Hexenjagd

Klappentext:
Mein Name ist Elizabeth Willows. Ich bin eine Hexe. Verraten und verstoßen von allen Wesen dieser Welt, baue ich mir mein eigenes Leben in Salem auf. Doch egal wie sehr ich mich auch bemühe, mir Gleichgesinnte zu erschaffen, ich werde immer wieder enttäuscht. Jetzt nehme ich mein Schicksal selbst in die Hand und kreiere mir eine Welt nach meinen Vorstellungen. Die Menschen, die mich verletzt haben, sollen brennen!

Rezension:
Die Hexe Elizabeth Willows erzählt von ihrer Ankunft in der Neuen Welt, wo es sie und ihre Familie nach Salem verschlägt. Doch wegen ihrer besonderen Begabung will selbst ihre Familie nicht viel von ihr wissen – und der Mann, den sie liebt, wird zum erbitterten Hexenjäger.
Wie der Autor Marcel Weyers ausdrücklich beton, handelt es sich bei dieser und mehreren anderen „Hexenfeuer“-Stories um kurze Hintergrundgeschichten zur „Raben“-Saga – welche ich zugegebenermaßen nicht kenne. Leider werden die Gründe für Elizabeths Menschenhass hier nicht wirklich deutlich. Eventuell werden diese als aus der Hauptreihe her bekannt vorausgesetzt. Ohne deren Kenntnis ist diese Kurzgeschichte lediglich ein sehr geraffte Erlebnisbericht einer jungen Frau, die sich innerhalb relativ kurzer Zeit zu eine menschenhassenden Furie entwickelt, der es nichts ausmacht, über Leichen zu gehen.

Fazit:
Eine Hintergrundgeschichte, die wenig Hintergründe bietet und wohl nur für Kenner der „Raben“-Saga von Interesse ist.

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Illumanati: Von Göttern, Dämonen und Seekühen

Leif Inselmann
Illumanati: Von Göttern, Dämonen und Seekühen

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Die Sorgen der Engel

Klappentext:
Seekühe regieren im Geheimen die Welt. Ein Dämon nistet sich als unliebsamer Mitbewohner ein. Und Götter vertreiben sich die Zeit mit absonderlichen Projekten. Ganz abgesehen von der Bürokratie des Himmels, die den Engeln zunehmend über den Kopf wächst… Acht satirische Geschichten geleiten den Leser durch die Absurditäten menschlicher Vorstellungskraft, von Verschwörungstheorien bis hin zum etwas anderen Exorzismus. Die Verletzung religiöser Gefühle wird billigend in Kauf genommen.
Inhalt: Der Dämon auf dem Sofa / Illumanati / Himmlische Verhältnisse / Gottesaustreibung / Zwei Propheten und ein Götze / Bervenis Moralproblem / Eine (rechtsesoterische) Dystopie / Schieß den Star!

Rezension:
Welche Umgangsformen gelten für Dämonen im Wohnzimmer? Sind Seekühe harmlose Vegetarier? Ist der Job des Ministers für interreligiöse Angelegenheiten wirklich erstrebenswert? Wie können sich Eltern einer kleinen Tochter helfen, wenn die plötzlich von Gott besessen ist? Wie vertreiben sich Götter die Langeweile? Und wer weiß auf all diese Fragen eine Antwort?
Zumindest die letzte Frage hat eine sofortige Beantwortung verdient. Und die heißt: Leif Inselmann. Was der Autor hier an Kurzgeschichten präsentiert, ist einfach zum Totlachen! Wie soll ein pflichtbewusster Engel auch auf eine Eingabe von Lenin reagieren? Hätte man die Hölle doch nur nie ans Internet angeschlossen!
Als Leser macht es einem einfach Spaß, zuzusehen, wie sich die Protagonisten mit diesen absurden Problemen herumschlagen müssen. Es sind schließlich nicht die eigenen. (Nein, auf meinem Wohnzimmersofa sitzt definitiv kein Dämon!) Sprachlich wird das alles angenehm flüssig dargeboten, sodass die Seiten nur so an einem vorbeiziehen und das Buch fiel zu schnell beendet ist.
… und am Ende erfahren wir auch noch die ultimative Lösung für das Dschungelcamp-Problem. Mögen es sich die Verantwortlichen eines gewissen Fernsehsenders zu Herzen nehmen.

Fazit:
Der herrlich schräge Humor macht dieses Buch zu etwas Einzigartigem. Für alle Fans humorvoller Fantasy eine absolute Leseempfehlung!

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In den Nordlanden – 1 – Im Glanz der Welten

Âsa Böker
In den Nordlanden – 1 – Im Glanz der Welten

St,rSt,rSt,rSt,rSt,r

Die Suche nach den Diamantblumen

Klappentext:
Die sechzehnjährige Silke aus dem schwedischen Silvbro flüchtet nach einer Mobbingattacke in die Anderswelt »Nordland«. Nach dem Übergang begegnet sie zwei gleichaltrigen Mädchen, die sich bereits im Leben behaupten mussten: Yrsas Mutter wurde als Hexe verbrannt und Unna ist gezwungen, als riesenhafte Missgeburt in der Schmiede ihres Vaters zu schuften. Zusammen machen sich die Mädchen auf, dem Jahrhundertereignis Nordlands zu folgen: Leit. Unter Bewachung von grimmigen Soldaten ziehen eintausend zwangsrekrutierte Pflückerinnen aus, um die heiligen Diamantblumen zu ernten, die im unwegsamen Moor Fenmarken wachsen. Den Befehl über alle hat der ehrgeizige Anführer Crispin Silberschwert, der die Ehre seiner Familie wiederherstellen muss. Doch die Arbeit im Moor ist gefährlich und nicht alle Mädchen werden Leit überleben.

Rezension:
Silke ist 16 und hat keinen einzigen Freund. Ihre sehr esoterisch angehauchte Mutter ist daran nicht ganz unschuldig, drängt sie ihrer Tochter doch den von ihr selbst bevorzugten Kleidungs- und Lebensstil auf, was dazu führt, dass Silke keine einzige Jeans und auch weder Handy noch Computer besitzt. Als sie aufs Gymnasium kommt, hofft Silke, dass jetzt alles besser wird, aber schnell muss sie feststellen, dass gerade ihre beiden Erzfeindinnen auch hier wieder in ihrer Klasse sind. Eine von diesen, Amanda, treibt es diesmal besonders weit und macht Silke überall lächerlich. Schon seit ihrer Kindheit hat Silke die Begabung, zwischen den Welten wechseln zu können, doch mittlerweile glaubt sie selbst, dass das nur kindliche Träumereien waren. Jetzt beschließt sie jedoch, wegzulaufen und einen dauerhaften Sprung in die andere Welt zu versuchen. Es gelingt, und sie trifft hier auf die gleichaltrigen Mädchen Yrsa und Unna, die ebenfalls ihr bisheriges Leben hinter sich lassen wollen. Gemeinsam beschließen sie, an der bevorstehenden Leit, einer Suche nach seltenen Blumen, die nur alle 100 Jahre stattfindet und bei der tödliche Unfälle vorhersehbar sind, teilzunehmen. Bösartige Menschen und Wesen, von denen Silke noch nie gehört hat, bedrohen schon bald ihre Leben.
Wieso beginnen viele jugendliche Urban-Fantasy-Geschichten eigentlich mit Protagonisten, die in ihrem bisherigen Leben gemobbt wurden? Um diesen einen Anreiz zu bieten, sich auf das meist nicht ungefährliche Abenteuer einzulassen? Vermutlich ist das einer der, wenn nicht der hauptsächliche Beweggrund der Autoren. Man muss allerdings zugeben, dass diese Erzählweise oft funktioniert. So auch hier. Spätestens mit Silkes erstmaligen durch den Leser miterlebten Weltenwechsel nimmt einem das Buch gefangen. Dabei begegnet man zusammen mit Silke mythischen Wesen, die nicht so ganz dem ‚Hollywood-Standart‘ entsprechen. Auf Vampire, Zauberer und Werwölfe muss man verzichten. Dafür trifft man auf Huldra, Nykr, Grauvättar und Draugar. Wobei letzteren eine gewisse Verwandtschaft mit Zombies wohl nicht abzusprechen ist.
Der Autorin Âsa Böker gelingt es hier, aus einer schon oft ähnlich gelesenen Ausgangslage ein völlig alleinstehendes Fantasy-Abenteuer mit außergewöhnlichen Handelnden zu entwickeln. Das Ganze fesselt den Leser schnell, woran wohl auch der angenehme Schreibstil seinen Anteil hat. Auch wenn dieses Buch den Auftakt einer Reihe darstellt, kann man es auch alleinstehend lesen, da es (im Gegensatz zu zahlreichen anderen Reihen-Starts) ein in sich logisches Ende bietet.
Ein paar Worte zur Übersetzung des ursprünglich schwedischen Werkes: Leider wurden ein paar Namen (beispielsweise Leutnant Silberschwert, der im Original bestimmt anders hieß) eingedeutscht. Das finde ich schade. Die deutsche Bedeutung solcher Namen hätte man auch mit einer Fußnote beim erstmaligen Auftauchen erklären können. Es fällt allerdings auf, dass der Verlag keinen Übersetzer nennt, Âsa Böker laut Kurz-Vita aber mit einem Deutschen verheiratet ist. Hat sie die Übersetzung eventuell sogar selbst vorgenommen?

Fazit:
Eine wirklich außergewöhnliche Urban Fantasy für junge und junggebliebene Leser, die die Aufmerksamkeit Genre-Interessierter sehr verdient.

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A Fairy Tale: Die Suche nach dem blauen Herz

Anja Stephan
A Fairy Tale: Die Suche nach dem blauen Herz

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In den Tiefen von Paris

Klappentext:
Aus ist es mit seinem ruhigen Leben im Quartier Latin in Paris! Als Scott McKenzie seiner Erzfeindin aus Jugendtagen über den Weg läuft, weiß er sofort, dass es das Schicksal nicht gut mit ihm meint. Dabei hat sich der Halbelf aus einst hohem Hause in den letzten hundert Jahren mit einem gut gehenden Antiquariat eine ausgezeichnete Reputation aufgebaut. Aber nun zieht ihn die eigenwillige Gwendolyn von Cleve in ein Abenteuer in die Pariser Unterwelt hinein, das ihn völlig überfordert. Auf der Suche nach dem blauen Herzen muss er sich mit der Vergangenheit der beiden verfeindeten Familien auseinandersetzen und sich gegen einen unbekannten Feind behaupten. Dabei wird ihm bewusst, dass sich sein Leben für immer verändern wird – und das Fräulein von Cleve ist schuld daran.

Rezension:
Der Halbelf Scott lebt als Antiquar ein ruhiges Leben. Ganz im Gegenteil dazu lebt die Hochelfe Gwendolyn immer im Fokus der Gesellschaft – und der elfischen Skandalpresse. Da ihre Familien schon seit Ewigkeiten verfeindet sind, reagieren beide nicht erfreut, als sie sich plötzlich immer wieder über den Weg laufen. Hinzukommt der Standesunterschied, da Scotts Vater wegen der nicht standesgemäßen Ehe mit einer Menschenfrau einst aus seiner Familie verstoßen wurde. Und dann gibt es da noch ein peinliches Geheimnis aus ihrer Schulzeit … In der vor normalen Menschen verbogenen magischen Parallelwelt von Paris bahnen sich Turbulenzen an, die schließlich dazu führen, dass die beiden so verschiedenen Elfen plötzlich gemeinsam auf der abenteuerlichen Suche nach einem blauen Glasherz sind.
Elfen ‚leben‘ meist in der High Fantasy. In der Urban Fantasy trifft man sie dagegen relativ selten an. In Anja Stephans Roman leben sie unerkannt zwischen den Menschen. Dabei wagt die Autorin den Spagat zwischen einem Urban-Fantasy-Abenteuer, einer Love Story sowie einer Familien- beziehungsweise Gesellschaftssaga. Als Romantasy würde ich die Geschichte dabei allerdings nicht bezeichnen – zumal beide Protagonisten nicht gerade besonders romantisch veranlagt sind. Leider verlagert die flüssig und in angenehmen Stil erzählte Geschichte ihren Schwerpunkt stellenweise sehr auf die Beziehungsprobleme Scotts und Gwens und vernachlässigt das sehr interessante magische Abenteuer über längere Abschnitte etwas. Am Ende werden jedoch alle offenen Fragen aufgelöst. Lediglich wieso die deutschen von Cleves und die schottischen McKenzies offenbar schon seit Jahrhunderten in Frankreich leben, bleibt unbeantwortet.

Fazit:
Urban-Fantasy-Fans, die ich an einer etwas umfangreicheren Love Story nicht stören, kann dieses Buch empfohlen werden.

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Das Geheimnis einer Insel

Dalia Winter
Das Geheimnis einer Insel

St,rSt,rSt,rSt,rSt,b

Hundelos

Klappentext:
Rist – die kleinste der ostfriesischen Insel birgt ein dunkles Gehemnis, das Mia verzweifelt versucht herauszufinden. Doch am Ende wünscht sie sich nichts sehnlicher, als alles wieder rückgängig machen zu können.

Rezension:
Schon seit 2 Jahren lebt Mia auf der kleinen Insel Rist, und trotzdem konnte sie noch nicht herausfinden, wieso es auf der ganzen Insel keinen einzigen Hund gibt. Selbst ihre besten Freunde weichen entsprechenden Fragen stets aus. Als ihr dann auffällt, dass sie in der ganzen Zeit noch keinen Friedhof gesehen hat und alle der entsprechenden Frage auch ausweichen, entschließt sich Mia, der Sache auf den Grund zu gehen.
In ihrer Horror-Kurzgeschichte führt Dalia Winter ihre Leser in die Nordsee. Was harmlos beginnt, wird innerhalb der wenigen Seiten dieser Geschichte schnell spannend, bis die Protagonistin zu einer schockierenden Erkenntnis gelangt.

Fazit:
Dieser Horror in Nordseekulisse funktioniert trotz seine Kürze.

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